Die Müllschlucker – Von Katzen, Müll und Schluckbeschwerden

Eine Geschichte aus der Kategorie: „Es gibt nichts, das es nicht gibt!“.

Tiere sind nicht nur erfinderisch, z.B. in der Art und Weise der Nahrungsbeschaffung, nein sie sind auch ebenso leidensfähig….wie ein kürzlich Notfall von mir sehr deutlich zeigt.

Kurz vor Feierabend erreichte mich ein Anruf einer Katzenbesitzerin, die sehr in Sorge war, weil eine ihrer beiden Katzen seit dem Vorabend nicht mehr essen wollte und ihr Zustand sich im Laufe des Tages immer weiter verschlechterte im Sinne von deutlich ruhigerem Verhalten und zunehmendem Speichelfluss. Die Partnerkatze war vollständig unauffällig.

Nun habe ich durch die vielen Jahre Berufserfahrung ja meist schon eine Idee, worum es sich handeln könnte, wenn Besitzer am Telefon die Symptome ihres Tieres schildern. So, auch hier; jedoch habe ich mich in diesem Fall doch ziemlich getäuscht. aber lest selbst.

Nachdem die Katze deutlich zum Ausdruck brachte, dass mein Besuch ihr nun nicht gerade ein Lächeln ins Gesicht zauberte – es folgten mehrere Manöver, die unter der Couch hervorzuziehen, genügten zum Glück wenige Handgriffe, um das weitere Vorgehen zu bestimmen. Ein weicher Bauch, ein gesundes Herz, auch im Mund schien auf den ersten Blick alles in bester Ordnung. Ein zweiter Blick in den Rachen offenbarte jedoch einen deutlich geschwollen Zungengrund mit etwas geronnenem Blut.

Da die Kooperationsbereitschaft bei Katzen an diesem Punkt meist endet, entschieden wir uns, die Katze für die genauere Inspektion des Rachen kurz ruhig zu stellen. Ein probates Vorgehen, bei dem Katzen zediert sind, aber durch selbstständiges Atmen, normalen Blutdruck und normaler Körpertemperatur keine Kreislaufprobleme bekommen (anders als in einer Narkose).

Als Madame Katze dann friedlich schlummernd die Zunge weit rausstreckte, fiel ein schwarzes Gewebe an der geschwollenen Stelle der Zunge auf. Ich dachte zunächst an eine klassische Auffädelung, bei der Katzen meist fadenförmige Fremdkörper (Engelshaar, Bindfaden etc.) schlucken, diese sich an der Zunge verhaken und nach dem Abschlecken eine ziehharmonikaähnliche Auffädelung des Darmes verursachen, die einem Darmverschluss gleichkommt und dringend operiert werden muss.

Zum Glück lies sich jedoch dieser Fremdkörper mit einer Klemme leicht bewegen und ohne großen Zug aus dem Mund befördern. Dann war auch klar, was hier eigentlich passiert ist.

Der Fremdkörper war ein Stück Mülltüte, das sich – sehr kreativ und eher unerklärlich – wie ein Ring über die Zunge gestülpt und am Zungengrund zur einer sogenannten Inkarzerierung geführt hat, eine ringförmige Einquetschung. Durch Quetschung von Blut und Lymphgefäßen kommt es zur Schwellung und natürlich zum Schmerz und zur Entzündung.

Ein Ring von Müll um die Zunge

Ein Ring von Müll um die Zunge

Nach Entfernung der Mülltüte gab es noch eine Schmerzspritze und etwas zur Schmerz- und Entzündungshemmung für die folgenden Tage.

Nachdem die Katze durch die „Aufwachspritze“ wenige Minuten später wieder wach wurde, ging sie sofort zum Futternapf und holte nach, was ihr durch die letzten 24 Stunden Hungern „von den Rippen fiel“.

Der Besitzerin fiel dann übrigens ein, dass sie am Vorabend den von den Katzen durchwühlten Müll in der Küche auf dem Boden vorgefunden hat… 🙂

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Von Katern und Katzen

Die Kastration von Katern ist ein gängiger Routineeingriff in der Tiermedizin.

Werden Kater als reine Wohnungskatzen gehalten, spielt meist die geruchliche Belastung des Urins und entsprechender Drüsen eine übergeordnete Rolle, sich für die Kastration zu entscheiden.

Kater als Freigänger sollten immer kastriert werden, da eine unkontrollierte Vermehrung (beim Aufeinandertreffen mit einer unkastrierten Katze) weder im Sinne des Tierschutzes noch der Gesamtpopulation ist.

Meist werden Kater noch vor dem Erreichen der Pubertät kastriert. Der Eingriff ist kurz und in der Regel komplikationsfrei.

Als Mobiler Tierarzt stellt die Kastration des Kater einen Teil der möglichen chirurgischen Eingriffe im Hausbesuch dar. Die Vorteile liegen auf der Hand: Keine stressigen, langwierigen und aufwendigen Transporte in die Praxis. Keine unnötig langen Aufenthalte in der Praxis (In der Regel werden die Tiere morgens in die Praxis gebracht und erst nachmittags/ abends wieder abgeholt). Keine Gefahr von Infektionen durch andere Tiere.

Nach der Einleitung einer leichten Narkose, in der der Kater noch selbständig atmet, erfolgt der Eingriff, der relativ unblutig und ohne Fremdmaterial wie Faden oder Klammern stattfindet.

Selbst das Nähen der Schnitte am Hodensack erübrigt sich, die Wunde verklebt schnell von selbst.

Nach dem Eingriff ermöglicht es die Wahl der Betäubungsmittel, den Kater nur wenige Minuten später wieder aufzuwecken, so dass dieser wieder vollständig wach ist, wenn ich das Haus verlasse. Kein stundenlanges Beobachten, Achten auf Atembewegungen, sorgenvolle Stunden. Gedanken um Untertemperatur, Blutdruckabfall oder Lautgebungen durch Orientierungslosigkeit.

Soweit so gut, viele Tierhalter wissen leider nicht, dass diese Kastration im Hausbesuch möglich ist.

Kürzlich bat mich die Besitzerin eines Kater, diesen zu kastrieren. Der Kater stammt vom Züchter und ist ein prächtiger Vertreter seiner Rasse.

Am Tag der Tage nun – alle waren gespannt und etwas nervös – wollte ich nun die Operationsstelle vorbereiten, rasieren, säubern und desinfizieren.

Was allerdings schnell auffiel war, dass der Herr an diesem Tag nicht befürchten musste, seine Männlichkeit zu verlieren, nein, die Dame hatte Glück, eine Katze zu sein.

Vom Züchter einen Kater gekauft und eine Katze bekommen. Manchmal muss ein Tierarzt eben nicht nur schneiden und spritzen, manchmal reicht untersuchen und schmunzeln…

Fazit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

 

 

Katze_Nicht_Kater

 

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Jede Mahlzeit stärkt den Stein

Im Studium der Tiermedizin lernt der Student was es heißt, eine Allgemeine klinische Untersuchung an Tieren durchzuführen. Dazu gehören die Kontrolle der Körpertemperatur, das Abhören der Herztöne, die Bewertung der Pulsqualität und die Beurteilung des Atmungsmusters. Diese Information sind zwar aufschlussreich, spiegeln jedoch nur einen Bruchteil der Funktionalität und Intaktheit des Individuums und der Organe wider.

Bestes Beispiel bietet die hier vorgestellte Geschichte eines kleinen Hundes, der erst das Fressen verweigern und mit Speicheln auffällig werden musste, um die Kauleiste untersucht zu bekommen. Ich muss dazu sagen, dass der Hund hochgradig bissig ist und selbst für die Besitzer eine Begutachtung der Zähne nur mit nachfolgender Wundversorgung möglich ist.

Aber wofür gibt es denn die Sedation 🙂

Spritze gesetzt und das Unheil begutachtet: 

Bild

Wie zu sehen ist, sieht man nichts…zumindest nichts mehr von gesunden Zähnen. Diese Menge Zahnstein hat sich im Laufe mehrerer Jahre aufgebaut und ist in dieser Form sicher schon seit einigen Monaten vorhanden. Die Frage, ob dies schmerzhaft ist, muss sich niemand beantworten bzw. würde sich ein Mensch mit dieser Mundflora noch auf den Beinen halten können?

Den Zahnstein zu entfernen ist nicht schwer, aufwendig sicher, aber definitiv zu schaffen. Ob allerdings durch den Belag die Gesundheit der Zähne erhalten wurde, kann noch nicht beurteilt werden.

Zahnstein verdrängt in aller Regel das Zahnfleisch und legt den Zahnhals frei und lockert den Zahnhalteapparat, so dass die Zähne locker werden und ausfallen. Zuvor kann es zu schmerzhaften Wurzelentzündungen kommen.

 

Bild

 

Nach Entfernung des Zahnsteines sehen die Zähne also wieder schön weiß aus. Was der Zahnstein angerichtet hat, sieht man sehr deutlich. Im Oberkiefer war der zweite Zahn von links locker und musste entfernt werden. Die Zahnhälse liegen blank und mit etwas Glück regeneriert sich das Zahnfleisch wieder.

Wichtig ist die Versorgung mit Antibiotikum und Schmerzmitteln, da dies eine sehr schmerzhafte Phase ist.

Zahnstein ist sozusagen mit Calcium versehener Bakterienbrei, der nach ca. 48 Stunden aushärtet. Wenn Tierbesitzer mich fragen wie die Neubildung von Zahnstein zu vermeiden ist, dann gibt es darauf nur zwei Antworten.

Entweder man putzt seinem Tier die Zähne, was bei älteren Tieren nicht immer einfach ist, wenn sie das nicht von klein auf gelernt haben. Oder man stellt die Ernährung um und ernährt vorwiegend mit rohem Fleisch, das nicht nur am bedarfsgerechtesten ist für die klassischen Fleischfresser wie Hund und Katze, sondern auch die Bildung von Zahnstein stark verlangsamt bzw. vollständig verhindert.

Es wird also deutlich, dass die Untersuchung der Zähne zur jährlichen (Impf-) Untersuchung gehören sollte. Denn eine Zahnsteinentfernung ist mobil schnell und professionell (wassergekühlter Hochleistungs-Ultraschall) gemacht und auch im hohen Alter problemlose möglich, da die Sedation sehr kreislaufschonend ist.

 

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Irren ist menschlich

Sicher, nobody is perfect – niemand ist perfekt, außer vielleicht nobody. Dem Menschen wurde die Gabe gegeben, mit seinem Verstand nachzudenken. Dank dieser Ratio sind wir in der Lage, sprichwörtlich rational zu denken. Um nicht in Tristesse zu versinken, hat sich unsere Gattung den Künsten gewidmet. Heutzutage gibt es viele Künste; die meisten werden dazu benutzt, das täglich Brot zu verdienen. Um zum Punkt zu kommen, ist auch die Medizin – und ihre Umsetzung – eine dieser Künste. In der Tiermedizin nennt sich die Verbindung aus Verstand und Kunst, die eine Symbiose darstellt und nichts mit Schmarotzen zu tun hat, die sogenannte gute veterinärmedizinische Praxis.

Sicher, schon zu Zeiten Da Vincis, Mozarts und Galileos gab es gute wie schlechte – oder sagen wir talentierte und weniger talentierte – Künstler.

Aber ich verstehe nach wie vor nicht – und dies stellt den Bezug zu dieser Abhandlung dar – warum Vertreter meines Berufsstandes nach vor unwissenden und weisungsabhängigen Tierbesitzer durch Abtasten des Tierbauches erzählen, ihr geliebtes Tier hätte eine chronische Nierenschwäche, ist deswegen so dünn geworden und müsste nun Nierendiät essen geschweige denn wäre mit einem sicher weniger langen Leben gesegnet.

Manchmal ist natürlich es leichter, nach einem verunglückten Manöver den Karren aus dem Dreck zu ziehen und einen anderen Weg zu nehmen. Jener Tierarzt jedoch, der einfach nur die Regeln dieser, unserer Kunst befolgt, hätte genauso herausgefunden, dass es nicht die Niere ist, warum Katerchen nur noch Haut und Knochen ist und trotz gesunder Futteraufnahme stetig abnimmt.

Die Überfunktion der Schilddrüse gehört nunmal zu den häufigsten Hormonerkrankungen der älteren Katze. Die Funktionsprüfung gehört standardmäßig zu jedem Blutprofil für Katzensenioren. Und früh erkannt stellt sich die Rekonvaleszenz einfach leichter dar als im Spätstadium.

Nun sind wir einfach mal voller Hoffnung, es ist alles in die Wege geleitet, aber:

nobody is perfect!

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Rest in Peace!

Im Allgemeinen – so möchte man meinen – ist die Medizin ein hilfreicher Partner meiner Unternehmungen. Dem ist in der Tat so…ich kann mich also auf meinen Geschäftspartner voll und ganz verlassen. Doch was ist, wenn er nicht voran kommt, wenn Medizin nicht mehr wirkt, wenn trotz aller Versuche, Leid zu vermeiden und Heil zu bringen…nur wenig oder nichts passiert.

Es sind keine Zweifel, die dann an dieser Partnerschaft entstehen; es sind mehr die Ängste, die keimen, denn aus Erfahrung kann ich sagen, dass hinter dieser Grenze zwischen methodischem Vorgehen und Heilung auf der einen und Wirkungslosigkeit und körperlichem Verfall auf der anderen Seite ein in der Regel nicht zu bezwingender Gegner lauert – die bösartige Entartung – der Tumor.

So auch im Falle eines stolzen, prächtigen Katers, der trotz aller Hilfe schlussendlich einem Gegner gegenüberstand, den er nicht bezwingen konnte. Mehrere Tumore in seinem Darm machten ein Heilung unmöglich und bedeuteten den Abschied nach vielen Jahren der Treue, der Freude und des Beistandes.

Rest in Peace!

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Auf den Spuren von Methusalem

Bekanntlich zählen Hundejahre nicht als absolute Altersangabe, vielmehr lässt sich jedes Hundejahr in Menschenjahre umrechnen. Welcher Formel man hier Glauben schenken darf, ist der persönlichen Vorliebe überlassen.

Die kleine Shi Tzu Hündin jedenfalls, die auch im 17. Lebensjahr noch den eisigen Temperaturen trotzt, könnte – MEINE Formel zugrunde gelegt – schon 119 Lenze auf dem Buckel haben. Mindestens jedoch 102 – sagt eine andere Formel.

Daher bekam Frauchen auch einen mächtig großen Schock als eines Morgens die Dame – statt am Futternapf Spalier zu stehen – so gar nicht in die Gänge kam und sogar besorgniserregend aufjaulte. Man muss in diesem Alter ja mit allem rechnen…

Jedoch – zum Glück – konnte ich den Hund am Nachmittag nicht nur aus seinem Körbchen, sondern auch zum Spielen, Herumhüpfen und Fressen „bewegen“. Als sei nie etwas gewesen.

Ob es die Angst vor medizinischen Intervention meinerseits war? Vielleicht…vielleicht auch nicht. Zu diesem Zeitpunkt schien jedoch wieder alles in Ordnung zu sein, weswegen alle anwesenden Hunde (nur einer) und Menschen (zwei) glücklich und zufrieden waren.

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Von Mutterfreuden und anderen Sorgen

Der Homo Sapiens gehört bekanntlich zu den Säugetieren, die mit am längsten brauchen, um ihre Nachkommenschaft auszutragen. Dass der Lupus Canis, gemeinhin auch als Hund bezeichnet, dies in viel kürzerer Zeit bewerkstelligt, „musste“ nun die Besitzerin eines Hundes erfahren. Selbst im letzten Viertel der Schwangerschaft dachte sich das Fellkind während eines Auslaufes eines Tages: Frauchen, ich sehe gerade, da drüben steht ein wahrhaft prächtiger Rüde – ich geh mal kieken…

Aus Kieken und Schnuffeln am männlichen Hund wurde ein Akt der der Freude und der Bauch wurde rund. Als der mobile Tierarzt die höchstwahrscheinliche Schwangerschaft der Hündin diagnostizieren sollte, hatte Frauchen fünf Tage zuvor schon entbunden und war alles andere als relaxed – verständlich.

In der Sonographie lächelten dem Tierarzt dann prächtig entwickelte und geburtstwillige Welpen zu; die Freude war groß, der Sorgenberg ebenso.

So gleicht sich doch die Aufzucht von Zwei- und Vierbeinern in gewisser Weise…alle 2 Stunden aufstehen und Milch geben. Zum Glück gab die Evolution dem Hund eine multiple Ausführung von Saugstationen, so dass dieser die Aufzucht in der Regel alleine schafft.

Denn Mutter sein ist schon schwer genug, aber sozusagen im selben Atemzug mehrfache Oma zu werden, kann doch die Nerven an die Grenzen der Belastbarkeit bringen.

In diesem Sinne wünsche ich eine erfolgreiche Geburt und viel Gesundheit für Oma, Mütter und Kinder!

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